17.03.17 12:14 Alter: 129 days

Am Rande

Von Georg Langer

Vierzehn Jahre lang war Holland meine Wahlheimat. Da bleibt mir keine andere Wahl, als das Wahlergebnis dieser Woche zu kommentieren. Im deutschen Fernsehen wurde viel darüber berichtet. Ein Korrespondent befand sich sogar vor Ort, womit er Brüssel im Nachbarland Belgien meinte. Dabei verglichen die Kollegen verschiedene niederländische Parteien mit unseren. Meiner Meinung nach sind das aber keine direkten Gegenstücke. Da es bei den Tulpenzwickern keine Fünf-Prozent-Hürde gibt, haben auch kleine Parteien bessere Chancen, und Stimmen für sie gelten nicht als weggeworfen. Dadurch schaffen es zwei liberale, drei christliche, mehrere rechte und linke Parteien regelmäßig ins Parlament. Die erfolgreiche Grün-Links-Partei ähnelt zwar unseren Bündnisgrünen, ist aber kompromissloser bei der Gleichberechtigung der Frau, selbst in der Kopftuchfrage. Die Partei der Arbeit, einst die stärkste Kraft, beging den Fehler, sich bei der Wirtschaft einzukratzen. Das könnte auch unseren Sozialdemokraten passieren. Mark Rutte trug mit seinen Liberalen den Sieg davon. Den Kaaskoppen gefiel es offenbar, dass er sich nicht von den Drohungen und Beleidigungen des tobenden Muselmanen Erdogan einschüchtern ließ und dessen Schergen untersagte, im Tulpenland für Tyrannei zu werben. Ruttes ehemaliger Parteifreund, der spätere Islamkritiker und jetzige Ausländerhasser Geert Wilders schaffte es entgegen vieler Umfragen nicht, Donald Trumps Erfolg zu kopieren. Nicht jedem Rechten mit einer dämlichen Frisur gelingt es, sich an die Macht zu lügen. Um zu verhindern, dass ihm Hacker helfen, wurden die Stimmen übrigens per Hand gezählt.