Frankfurt/Oder (geh). Zu Führungen durch das Archiv und das Informations- und Dokumentationszentrum sind Interessierte am Mittwoch, dem 20. Juli 2016 um 16 Uhr in die Außenstelle Frankfurt (Oder) der Stasi-Unterlagen-Behörde eingeladen.

472 laufende Meter Karteikarten - das sind 1,68 Millionen Stück, 7.700 laufende Meter Stasi-Unterlagen in Gleitregalen und 1.500 Säcke voller zerrissener Akten werden in den Räumlichkeiten der Behörde in der Fürstenwalder Poststraße gelagert und rekonstruiert. Während der öffentlichen Archivführung am Mittwoch, 20. Juli 2016 können Interessierte einen Einblick in die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen.
In regelmäßigen Abständen - einmal im Quartal - wird das in der Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) angeboten. Jana Florczak, Abteilungsleiterin Archiv und ihr Team freuen sich auf viele Fragen.
Besonders die Reproduktion von Akten, die als Schnipsel in den Säcken lagern, ist interessant. Per Hand werden die Papierfetzen zusammengepuzzelt. Dabei ist es nicht selbstverständlich, dass sich alle Aktenteile in einem Sack befinden. manchmal sind sie auf viele verschiedene verteilt. „Kürzlich hatten wir aber Glück”, so Jana Florczak. Da konnten aus einem Sack zwölf Registrierbücher zusammengesetzt werden. „Es sind nur ganz wenige Schnipsel übrig geblieben”, erzählt die Historikerin. Im Jahr 2015 seien in der Frankfurter Außenstelle in solchen Säcken Akten aus dem Bereich Bauwesen gefunden worden. Genauer gesagt, aus dem VEB Bau- und Montagekombinat Ost und dem Spezialbau Potsdam. Somit konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BStU insgesamt 13 Vorgänge Inoffizieller Mitarbeiter (IM), einen IM-Vorlauf - über jemanden, der angeworben werden sollte - und zwei Operative Personenkontrollen (OPK) in den Bestand der Behörde aufnehmen.
„Deshalb”, so Kornelia Gehring, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit in der Außenstelle, „ist es immer sinnvoll, einen Folgeantrag zu stellen”. Denn das Team um Jana Florczak findet ständig neue Informationen zu den Machenschaften der Stasi. Einen ungefähren Überblick über ehemalige Aktenbestände bieten die Karteikarten. Sie sind die Grundlage für die Recherchen zur Akteneinsicht. Mit ihnen könne festgestellt werden, ob Antragstellerinnen und Antragsteller zum Beispiel als Spitzel der Stasi erfasst oder als Betroffene im Visier der Stasi waren, so Kornelia Gehring.
Aber all diese Fakten und Informationen können die Leute im Archiv während der Führungen viel besser und genauer erklären. Der Eintritt dazu ist selbstverständlich frei. Gruppen sollten sich wegen der besseren Planung vorher anmelden. Das ist unter der Rufnummer 0335-60 68 24 11 möglich.