Frankfurt/Oder (gla). Der Bundestagsabgeordnete Thomas Nord besuchte das Überbetriebliche Ausbildungszentrum (ÜAZ).

Walter Jahn vom Berufsförderungswerk des Bauindustrieverbandes, ÜAZ-Leiter Jörg Lehmann sowie Katarzyna Rybinska und Michael Ritter vom internationalen Team begrüßten den Politiker. Ziel des Besuchs war, sich über die deutsch-polnische Zusammenarbeit und die Ausbildung von Flüchtlingen am ÜAZ zu informieren.
50 Schulen in allen Wojewodschaften des Nachbarlands sind Partner des Frankfurter Ausbildungszentrums. Michael Ritter wird diese Woche einige dieser Partner besuchen. Die Ausbildungszentren in Frankfurt (Oder), Brandenburg an der Havel und Cottbus konzentrieren sich nicht nur auf die Arbeit in Europa, sondern sind auch an Projekten in Afrika, Asien und Südamerika beteiligt, sagte Walter Jahn. Vor kurzem hatten sich Studenten der Technischen Universität Berlin im ÜAZ auf ein Projekt in Bolivien vorbereitet. Auch die friedliche Zusammenarbeit mit der Ukraine gehört zum Programm des Ausbildungszentrums.
Trainingswerkstätten wie die des ÜAZ sind in Polen nicht mehr vorhanden, da es dort keine duale Ausbildung mehr gibt. Deshalb machen viele polnische Lehrlinge von dem Angebot in Deutschland Gebrauch.
„Hat sich was verändert an den Bedingungen der Zusammenarbeit mit der polnischen Seite in den letzten zwei Jahren?“ fragte Thomas Nord (Die Linke). „Für uns hat sich das verbessert“, antwortete Michael Ritter. Seitdem Gymnasien im Nachbarland abgeschafft wurden, sind die Lehrer an den Partnerschulen des ÜAZ ausgelastet.
Polnische Jugendliche kommen für ein dreiwöchiges Praktikum zum ÜAZ, das zu diesem Zweck über ein eigenes Wohnheim verfügt. Eine komplette Berufsausbildung ist mangels Sprachunterricht nicht möglich. Während es für Flüchtlinge beim ÜAZ neben der Berufsorientierung auch Deutschkurse gibt, die mit Spenden der Serviceclubs und Unterstützung der Europa-Universität Viadrina ermöglicht werden, existiert laut Jörg Lehmann kein ähnliches Angebot für polnische Lehrlinge. Ideal wäre ein einjähriger Deutschkurs mit anschließender Lehre. Thomas Nord bekundete Interesse. Er bat Jörg Lehmann, diese Idee zu skizzieren und wirtschaftspolitisch zu begründen. Dann könnte der Abgeordnete auf Bundesebene prüfen, ob ein Förderprogramm dafür möglich ist.
Im Anschluss an das Gespräch besuchte Thomas Nord die Werkstätten und die Lehrküche des Ausbildungszentrums. Warum eine Einrichtung der Bauwirtschaft eine Lehrküche hat, erklärte Walter Jahn so: „Jeder gute Bauarbeiter muss auch gut verpflegt werden“.