Ostbrandenburg (eb/geh). Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger hatte vorige Woche Wissenschaftler, Vertreter der kommunalen Verbände, Landnutzer- und Umweltverbände nach Potsdam zum sogenannten „Insektengipfel“ geladen.

Auf der 90. Umweltministerkonferenz 2018 haben die Länder „schnelle und konsequente Maßnahmen von Bund und Ländern zur Förderung der Insektenvielfalt“ gefordert und ein „Aktionsprogramm Insektenschutz“ unterstützt. Ziel der jüngsten Arbeitstagung war, den zeitlichen und organisatorischen Rahmen für die Erarbeitung eines Maßnahmenpakets zum hiesigen Insektenschutz abzustecken. „Die Landwirtschaft und die Sicherung der Nahrungsproduktion sind in hohem Maße auf die Bestäubung der Nutzpflanzen durch Insekten angewiesen. Sie wirkt aber gleichzeitig auch auf die Lebensräume der Insekten. Deswegen ist die landwirtschaftliche Produktion auch Teil der Lösung“, so Vogelsänger. Daneben brauche es allerdings auch die Unterstützung durch Städte und Gemeinden, durch Straßenbaulastträger und durch die Bevölkerung. Vogelsänger: „Letztlich kann jede und jeder etwas dazu beitragen, dass in Brandenburg wieder mehr Insektenarten leben können. Darum wollen wir auch einen breiten Dialog- und Beteiligungsprozess mit vielen Akteuren.“
In vier Arbeitsgruppen sollen unter Federführung eines wissenschaftlichen Partners bis zum Jahresende erste Handlungsempfehlungen entwickelt werden, die in ein Maßnahmenpaket zum Insektenschutz münden. Es konkretisiert für diesen Bereich das zu Beginn der Legislaturperiode, im April 2014, von der Landesregierung verabschiedete Maßnahmenprogramm Biologische Vielfalt Brandenburg.
„Viele Ziele dieses Maßnahmenprogramms wie die Erhöhung der biologischen Vielfalt auf Ackerland und auf Dauergrünland, die Erhöhung des Anteils des Ökolandbaus, das Greening und das Kulturlandschaftsprogramm tragen schon jetzt zum Schutz von Insekten bei“, betonte Vogelsänger.
Den Arbeitsgruppen sollen jeweils Vertreter der Verwaltung, aus Verbänden, der Wissenschaft und Praxis angehören. In Brandenburg selbst gibt es bereits wissenschaftliche Einrichtungen, die auf entomologische Fragestellungen spezialisiert sind und Projekte im Insektenschutz umsetzen. Als wissenschaftlicher Lead-Partner wird sich das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) Müncheberg zur Verfügung stellen. Um den Rückgang der Insektenvielfalt zu stoppen, bedarf es jedoch weiterer Handlungsansätze und einer Zusammenarbeit auf ganz breiter Basis. Dafür sei insbesondere eine wissenschaftlich fundierte Datenbasis unabdingbar. Das Monitoring zur Insektenentwicklung müsse ausgebaut werden, heißt es aus dem Ministerium.
Solche Maßnahmen können etwa die Vernetzung von Lebensräumen in Form von Schutzgebieten, die Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln und von Lichtverschmutzung sein. Damit wird nicht allein die Agrarlandschaft angesprochen, sondern auch die Städte und Kommunen seien bei der Umsetzung gefragt.
Jörg Vogelsänger kündigte eine neue Richtlinie zur Förderung von Ackerrand- und Blühstreifen an.