Viele Kindheitserinnerungen hängen mit der Fußgängerbrücke am Frankfurter Wasserturm zusammen. Damals wie heute verband die Überführung über die Bahngleise den Buschmühlenweg, die Oderwiesen und den Eichwald auf der einen Seite mit Neuberesinchen und den dortigen Einkaufsmöglichkeiten auf der anderen Seite. Spaziergänger, Kleingärtner und Eisenbahnfreunde liebten diese Brücke. Einer der schönsten Wanderwege der Stadt existiert nun nicht mehr. Vor einer Woche sperrte Oberbürgermeister Wilke die Brücke wegen Baufälligkeit. Er plant eine baldige Demolierung, aber keinen Ersatzbau. Als Grund muss wie üblich der Haushalt herhalten. Eine neue Brücke sei zu teuer, beteuert der Stadtchef in seinen regelmäßigen Internetauftritten. Mitte März schätzte er die Kosten auf über eine Million, vorigen Sonntag auf bis zu zwei Millionen, diese Woche auf über zwei Millionen Euro. Bevor sich diese rasante Inflation fortsetzt, sollte das Geld irgendwie aufgetrieben werden, egal ob durch Umschichtung, Förderung oder Spendensammlung. Selbst unsere knappe Stadtkasse enthielt ja noch genug Kohle, um sicherzustellen, dass der Verfall des alten Kinos nicht mehr in Privatbesitz sondern in öffentlicher Hand weitergeht. Land und Bund finanzieren dieses Jahr den Abriss preiswerter Wohnungen in Frankfurt mit fast einer halben Million Euro. Anscheinend können wir es uns im reichen Deutschland immer leisten, etwas kaputt zu machen, aber nicht wiederaufzubauen. Doch die Brücke darf nicht ersatzlos verschwinden. Wilkes Behauptung, sie wurde wenig frequentiert, hört sich ebenso fragwürdig an wie die, dass der Umweg über die Güldendorfer Straße und den Carthausplatz nur etwa dreihundert Meter weit sei.