Es war Freitag vor einer Woche und Feierabend. Beschwingt verließ ich das Gebäude und band den treuen Drahtesel los. Da hielt direkt daneben auf der Fahrbahn ein Auto, ein dunkelblauer Hochdachkombi des Ordnungsamtes. Ein beleibter Herr mit imposantem Schnurrbart lehnte sich aus dem Fenster. „Guten Tag, junger Mann“, sagte er. Auf dieses Kompliment folgte eine mündliche Verwarnung. Es wäre untersagt, Fahrräder an Laternen mit Verkehrszeichen anzuschließen, lautete die überraschende Aussage des Hüters der Ordnung. Selbstverständlich verlässt sich ein guter Journalist nicht auf eine einzelne Quelle, schon gar nicht auf eine anonyme, denn der Schnurrbart stellte sich nicht vor. Und so begann eine gründliche Recherche. In der Straßenverkehrsordnung fand ich das angebliche Verbot nicht. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club teilte mit, Räder dürfen hierzulande überall abgestellt werden, so lange sie den Verkehr nicht blockieren. Vier Tage später erreichte ich endlich das Frankfurter Ordnungsamt. Auch die Dame, die sich dort am Telefon meldete, nannte ihren Namen nicht. Dafür behauptete sie, das Anschließen von Rädern sei ausschließlich an Fahrradständern gestattet. Meine Frage, wo diese Regel nachzulesen ist, überrumpelte die Frau hörbar. Nach langem Zögern verwies sie mich ans Tiefbauamt. Dessen Personal war ein solches Verbot genauso unbekannt wie mir. Möglicherweise ist das Ordnungsamt mit seinen bisherigen Aufgaben ordentlich unterfordert und vertreibt sich die Zeit gern damit, ganz neue Gesetzgebungen zu erfinden. Fragt sich nur, wie es mit der Gültigkeit von Vorschriften steht, die lediglich in den Köpfen einiger Beamter existieren.