Unsere Sprache ändert sich schneller als andere. Wer englisch kann, hat kein Problem, ein zweihundert Jahre altes Buch zu lesen. Auf deutsch ist das bereits eine Herausforderung. Daran sind nicht nur die Rechtschreibreformen schuld, die wir regelmäßig aushecken. Wir ersetzen auch gern vertraute Begriffe durch Fremdwörter, deren Aussprache und Rechtschreibung wir später eindeutschen. Früher liehen wir sie uns aus dem Französischen, unter dem SED-Regime aus dem Russischen, heute aus dem Englischen. Falls uns die ausländische Vokabel nicht gefällt oder wir sie nicht kennen, erfinden wir selbst eine. So entstanden das Handy, der Beamer und der Showmaster. Werbe- und Geschäftsleute sind der Meinung, dass mit dem amerikanischen Center alles besser klingt. Ihnen verdanken wir das WC Center und das aus orthographischer und geometrischer Sicht verwirrende Multi Center. Hashtag hat wohl nichts mit dem Konsum von Cannabisprodukten zu tun. Ein Agent ist in unserem Land nicht mehr unbedingt Mitarbeiter eines Geheimdiensts. Er kann auch nur als Telefonist in einem Call Centre tätig sein. Für letzteres gibt es eine englische, eine amerikanische und drei deutsche Schreibweisen. Der Bankier heißt jetzt Banker, was sich auf ein englisches Schimpfwort reimt. Ungewollt komisch hört es sich an, wenn ein Schlagersänger angeblich die Bühne rockt, oder ein Vater sein Kind mit „Alter“ anredet. Im Journalismus wird immer öfter „zeitgleich“ geschrieben, wenn „gleichzeitig“ gemeint ist. Das ist zwar falsch, aber dafür kürzer. Doch einige Ausdrücke trotzen dem Zeitgeist. Bei uns ist es immer noch dreiviertel zwölf statt Viertel vor zwölf.