25-jährige Jubiläen gab es in letzter Zeit reichlich. Das überrascht nicht. Anfang der Neunziger gründete sich in Ostdeutschland so manches. Durch die friedliche Revolution landete das staatliche Kartell auf der Müllhalde. Unzählige private Unternehmen und sogar eine Universität entstanden hier am östlichen Rand der Republik. Auf die Medien wirkte sich der Umbruch besonders stark aus. Jahrzehntelang besaß jeder Bezirk nur eine Zeitung, deren erster Satz, wie bei den staatlichen Fernseh- und Radiosendern, immer mit den Worten: „Der Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzende des Staatsrats der Deutschen Demokratischen Republik“ begann. Von all diesen Parteiorganen blieb nur das Neue Deutschland übrig, heute noch berühmt für die Geschichte vom Ossi, der mit Hilfe einer Mentholzigarette in den Westen verschleppt wurde. Der Rest der Presse musste sich plötzlich selbst um Berichterstattung kümmern, statt sie diktiert zu bekommen. Obendrein genießen heutzutage die wenigsten Lokalblätter ein Monopol. Wie viele Menschen das zu schätzen wissen, zeigte sich anlässlich des Jahrestags unserer Zeitung erneut. Auch die Stimmen, die ein Ende der Druckmedien durch das Internet prophezeien, verklingen langsam. Nachrichten aus erkennbarer Quelle und Kommentare, die sich nicht auf „Armes Deutschland“ oder „Ohne Worte“ beschränken, sind Mangelware in sozialen Netzwerken. Letztere eignen sich kaum zum Einwickeln von Geschirr. Zeitungspapier wird noch lange Zeit Tassen, Gläser, Teller und die zerbrechliche Demokratie schützen. Das Kino schaffte es auch nie, das Buch zu ersetzen.