Vor über drei Jahren kehrte ich aus Holland in die Heimat zurück. In mancher Hinsicht war das eine Reise in die Vergangenheit. Das betrifft unter anderem Elektroautos. Dort schnurren die überall durch die Straßen und Tulpenfelder. Hier habe ich noch keins gesehen. Das könnte an den überhöhten Preisen liegen. Aber selbst wer sich so einen umweltfreundlichen Wagen leisten kann, käme im Oderland damit nicht weit. Es gibt nur eine Handvoll Ladestationen. Die meisten von ihnen wurden obendrein mit Hindernissen ausgestattet. Nehmen wir zum Beispiel die am Marktplatz von Frankfurt. Wer hier ein Auto aufladen will, muss sich erst eine Chipkarte aus einer nahegelegenen Bäckerei holen. Am Wochenende und nachts heißt es also Kraftstoff verbrennen oder zu Hause bleiben. Bei der zweiten Ladestation in einem Parkhaus muss für eine ähnliche Chipkarte sogar ein Pfand hinterlegt werden. In Fürstenwalde und Friedland ist eine Anmeldung erforderlich. In Eisenhüttenstadt und Müllrose soll das Aufladen obendrein kostenpflichtig sein, wurde mir gesagt. Soviel ich herausfinden konnte, gibt es nur einen einzigen Ort in der Gegend, wo Elektromobilität ohne Hürden, Genehmigung oder Geld möglich ist: den Lebuser Ortsteil Wulkow, auch als Ökodorf bekannt. In den Niederlanden wird einfach ein Stecker in die Säule gesteckt, bei der immer Parkplätze für Elektroautos reserviert sind. Ein Anruf bei den Stadtwerken genügt, um eine neue Ladestation vor dem eigenen Haus installieren zu lassen. Irgendwie finde ich es schon peinlich, wenn ein Land des Ingenieurswesens und der Wissenschaft wie unseres rückständiger ist als eines, das für Holzschuhe und Käse bekannt ist.