Von Georg Langer
Wir feiern Ostern. Dazu gehören Spaziergänge und Goethe-Zitate. Eltern verstecken Süßigkeiten im Haus oder im Garten. Kinder fragen, was zum Henker langohrige Nagetiere und bunte Eier mit der Auferstehung eines Gekreuzigten zu tun haben. Gläubige frieren am Samstagabend in schlecht geheizten Kirchen. Juden gedenken beim Pessach des Auszugs aus Ägypten. Die Bundesregierung überrascht zur Feier des christlichen Friedensfürsten ihre islamistischen Freunde in Saudi-Arabien und der Türkei mit Waffenlieferungen. Darum denke ich in diesen Tagen auch an die tapferen Kurden, denen religiöse Fanatiker mit deutschen Panzern die Häuser zerschießen, und an die afrikanischen Kleinbauern, die durch Billigfleisch aus deutscher Massentierhaltung ruiniert werden. Für die über neunzig Prozent Atheisten Ostbrandenburgs bedeutet Ostern ein Frühlingsfest oder ein verlängertes Wochenende. Beides ist nicht zu verachten. Ab jetzt können wir uns wieder im Freien aufhalten, ohne dass Ohren und Gesicht schmerzen, und unseren Liebsten Blumen schenken, die nicht aus dem Gewächshaus stammen. Die Sonne besiegt das Eis, die Wärme die Kälte, das Licht die Dunkelheit, das Leben den Tod, jedes Jahr aufs Neue. Die Frühjahrsmüdigkeit weicht ganz langsam den Frühlingsgefühlen. Ostern bietet eine schöne Gelegenheit, Zeit mit denen zu verbringen, die uns am Herzen liegen. Seien wir dankbar, in Frieden, Freiheit und relativem Wohlstand zwischen Spree und Oder zu leben. Es geht uns viel besser, als rechte und linke Rattenfänger behaupten. Der einzige echte Anlass zum Meckern in das Wetter. Aber das bessert sich bestimmt noch. Frohe Ostern.