Die Unterwelt steckte kürzlich schwere Schläge ein. Unerschrocken legte die Polizei mehreren nicht angeschnallten Autoinsassen, beschwipsten Radfahrern und ähnlichen Übeltätern das Handwerk. Einen Jugendlichen erwischten sie gar mit einer elektrischen Zigarette. Schwarzfahrer und Leute, die Formulare zu spät einreichten, stehen vor Gericht. Nun können wir alle ruhig schlafen. Endlich sind die Straßen wieder sicher. Wenn sich Richter, Staatsanwälte und Polizisten mit solchen Aufgaben beschäftigen, bleiben natürlich andere auf der Strecke. So können Drogenhändlerbanden an allgemein bekannten Umschlagplätzen unbehelligt ihrer Arbeit nachgehen. Die brandenburgische Justiz entließ in den vergangenen Monaten einen Mörder, einen Triebtäter und einen Brandstifter wegen Verfahrensverzögerung. Für diese Leute hat niemand Zeit. Erst einmal wird Gesetzen gegen Banalitäten Geltung verschafft. Wenn die Staatsgewalt obendrein verhindern muss, dass Menschen ihrer eigenen Gesundheit schaden, überlastet sie das selbstverständlich. Seit Jahrzehnten versprechen Regierungen und fordern Oppositionen mehr Justizpersonal. Daran ändert sich so bald nichts. Ich jedenfalls kenne keine arbeitslosen Richter oder Polizisten. Diejenigen, die wir noch haben, sollten daher vorrangig Verbrecher verfolgen, die eine Gefahr für Dritte darstellen. Dafür wurden Gesetze erfunden. Was die Bevölkerung raucht und trinkt, ob sie Sicherheitsgurte, Helme oder lange Unterhosen trägt, geht die Obrigkeit eigentlich nichts an. Der Staat ist nicht der Vormund mündiger Bürger. Für Erziehung sind Eltern und Lehrer zuständig, nicht Gericht und Polizei.