„Kindheit ohne Handy - ich war dabei” habe ich neulich auf einer Tasse gelesen. Das Teil musste ich haben, auch wenn es mit 6 Euro ziemlich teuer war. Zuhause präsentierte ich meiner Teenie-Tochter stolz diesen Kauf. Ganz entgeistert starrte sie auf den Spruch und wollte wissen, was ich daran nun so lustig finde. Mit einem mitleidigen Grinsen im Gesicht ließ sie mich stehen. Dass der Spruch auf dieser Tasse das Lebensgefühl mehrerer Generationen beschreibt, können wahrscheinlich nur die Leute verstehen, die schon länger als zehn Jahre keine Zwanzig mehr sind. Sie erinnern sich an eine Kindheit, in der es noch gelbe Telefonzellen und darin Apparate mit Wählscheiben und Strippe am Hörer gab. Die Jugend von heute möchte nicht nur diese Geräte ins Museum verbannen, sondern uns gleich mit. Und wir Alten gießen immer schön Wasser auf die Mühlen der Kiddies, weil wir bei der Bedienung unserer Smartphones viel zu oft auf deren Hilfe angewiesen sind. Sie touchen darauf rum, als ob es im Leben nichts anderes gibt. Und für alles Mögliche gründen sie Gruppen, in denen sie sich zutexten. Darunter leidet die Hausarbeit, die Schule und ihr Verständnis für die deutsche Sprache. Es wird fast ausschließlich mit Abkürzungen und lustigen Fratzen kommuniziert. Groß- und Kleinschreibung sind genauso egal wie Punkt und Komma. Und auch, wenn ich das schlimm finde, bringt die Gegenrede gar nichts. Die Gesellschaft von heute ist auf diese Art und Weise des Umgangs miteinander angewiesen. Globalisierung und Digitalisierung machen das notwendig. Trotzdem bin ich stolz darauf, dass ich eine Welt ohne diese technischen Hilfsmittel noch kennen lernen durfte.