Im Sommer werden vielerorts Stadt- und Dorffeste gefeiert. Journalisten nehmen oft beruflich daran teil. Doch auch privat nutzen wir gern diese Gelegenheiten, unsere Gehälter zu verprassen. So fuhr ich voriges Wochenende mit der Regionalbahn in eine nahe gelegene Stadt. Der kleine Zug war halbleer. Vielleicht lag das an der zwanzigminütigen Wanderung vom Bahnhof zum Stadtzentrum, die mich nach der Ankunft erwartete. Öffentlicher Nahverkehr existiert dort am Wochenende nicht. Endlich auf dem Festgelände brauchte ich eine Stärkung. Eine Imbissbude verkaufte Leber mit Zwiebeln. Die Erwartung, das auf einem Pappteller mit Plastegabel serviert zu bekommen, wurde herb enttäuscht. Der Verkäufer stopfte alles in ein altes Brötchen, das sofort auseinanderfiel und mein Hemd mit fettigen Zwiebelstückchen und frisch gepresstem Lebersaft garnierte. Wie sich später herausstellte, wurde fast alles Essbare in trockene Schrippen gesteckt, egal ob Wurst, Fisch oder Schaschlik. Das Bier war überdurchschnittlich teuer, aber es kam ja aus dem fernen Berlin. Wenigstens wurde das in Becher gefüllt. Auf mehreren Bühnen versuchten Musiker, sich gegen den Lärm der Fahrgeschäfte durchzusetzen. Von den angekündigten Sicherheitsmaßnahmen wegen muselmanischer Gefahr war wenig zu sehen. Leichte Kunststoffzäune blockierten die Zufahrtsstraßen. Die gefürchteten Taschenkontrollen fanden selten statt. Eine Handvoll Wachleute, dem Aussehen nach beim örtlichen Motorradclub rekrutiert, stolzierte auf und ab. Für mehr Sicherheit bestand allerdings keine Notwendigkeit. Nach dem Fest begann der lange Rückweg zum Bahnhof.