Anscheinend verspüren einige brandenburgische Minister keine Lust auf eine weitere Amtszeit. Kaum steht die Landtagswahl vor der Tür, macht sich einer nach dem anderen unbeliebt. Erst verärgerte Innenminister Karl-Heinz Schröter die Leute mit seinen Zentralisierungsplänen. Mehr oder weniger willkürlich wollte er Landkreise und kreisfreie Städte zusammenschmeißen, und beschimpfte alle Kritiker. Auch eine teure Werbekampagne schaffte es nicht, die noch teureren Einkreisungen durchzusetzen. Vor kurzem setzte Gesundheitsministerin Diana Golze mit einem Skandal ihre Karriere in den märkischen Sand. Nachdem sie versprochen hatte, die Affaire um den Handel mit gestohlenen und eventuell unwirksamen Medikamenten aufzuklären, trat sie stattdessen zurück. Nun ist Bildungsministerin Britta Ernst an der Reihe. „Im Osten Deutschlands haben die Menschen kürzere Erfahrungen mit Demokratie“, erklärte die gebürtige Hamburgerin einer Potsdamer Zeitung. „Das Aushalten von Unterschiedlichkeit ist noch nicht so eingeübt.“ Die Hanseatin schien damit anzudeuten, unsere Ahnungslosigkeit in Sachen Demokratie mache die Rechtspopulisten stark. Indem sie das Klischee vom braunen Ossi bediente, profilierte sie sich damit selbst zum stereotypen Besserwessi. Dass wir uns 1989 die Demokratie selbst erkämpften, was zu Diktaturzeiten einen gewissen Mut erforderte, weiß die Gattin von Deutschlands Vizekanzler Olaf Scholz wohl nicht. Bei Westdeutschen, die noch nie hier waren, kann ich verstehen, wenn sie denken, wir Ossis würden in Höhlen hausen und rohes Mammutfleisch essen. Aber Britta Ernst arbeitet inzwischen selbst in Brandenburg - wenigstens bis nächstes Jahr.