Noch ist die Frage ungeklärt, wo das Archiv mit den Stasi-Unterlagen künftig beheimatet sein wird. In Frankfurt (Oder) oder in Cottbus? Die Standorte können unterschiedlicher nicht sein. Trotzdem werden sie gegeneinander aufgewogen. In Frankfurt (Oder) leistet ein eingespieltes Team seit mehr als 25 Jahren hervorragende Arbeit. Das Menschenrechtszentrum in Cottbus will zwar Unrechtsgeschichte aufarbeiten, verfällt dabei aber immer wieder in Ostalgie. Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Verantwortlichen händeringend nach Gründen suchen, diese Behörde aus Frankfurt (Oder) abzuziehen. Immer wieder wird angeführt, dass das Gebäude zu weit weg vom Schuss ist. Was bitte ist dann Cottbus? Ich finde es gut, dass Menschen in aller Ruhe ihre Akte studieren können, statt ständig zu überprüfen, ob die Parkzeit abgelaufen ist. Das sieht Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke anders. Er bietet an, über eine Fläche im Stadtzentrum zu sprechen. Endlich hat er sich getraut, Entscheidungsträger in Sachen BStU-Archiv zu kontaktieren. Den offenen Brief gibt er der Öffentlichkeit zur Kenntnis. Und das - oh Wunder - sogar in lokalen Medien zum Anfassen, statt nur in sozialen Medien zum Hochladen. In seinem Schreiben an Verantwortliche listet Wilke all die Argumente auf, die andere vor Monaten schon vorgelegt haben. Aber natürlich hat die Stellungnahme eines Stadtoberhaupts eine ganz andere Bedeutung. Wichtig ist, dass der OB überhaupt für seine unsere Stadt in die Bresche springt. Dabei ist es egal, dass Lehrer für Deutsch und Politische Bildung beim Lesen wohl die Hände überm Kopf zusammenschlagen werden. Aber von ein paar inhaltlichen und grammatikalischen Fehlern geht ja die Welt nicht unter.