Die Platze könnte ich mich ärgern, wenn ich höre, dass alle Menschen, die von Hartz IV leben (müssen), dumm und asozial sind. Manchmal kommen mir bei solchen Äußerungen sogar die Tränen und mir wird richtig schlecht. Meistens sagen so etwas nämlich Leute, denen es viel zu gut geht. Die sitzen warm und trocken auf bequemen Bürostühlen in überschätzten Institutionen. Schlimm daran ist, dass sie oft diejenigen sind, auf die schlecht gestellte Familien angewiesen sind, weil sie Entscheidungen über deren Alltag treffen. Sie spielen mit Menschenleben wie mit einem Ping-Pong-Ball. Immer schön drauf schlagen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Dabei ist egal, wer oder was auf der Strecke bleibt. Wenn diese Verallgemeinerungen aus den Entscheidungsträgern raussprudeln, wünsche ich mir, dass auch die mal am eigenen Leib spüren, wie hart das Leben sein kann. Und damit meine ich nicht nur die knappen finanziellen Ressourcen. Denn oftmals ist es nicht das Geld, das die Hartz IV-Empfänger schlechter stellt. Es ist vielmehr die mangelnde Wertschätzung, die ihnen die Gesellschaft entgegen bringt. Wer sich sagen lassen muss, nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit auf dem Markt nicht mehr einsetzbar zu sein, kann doch nur den Mut verlieren und resignierend den Kopf in den Sand stecken. Die etablierten Einflussreichen sollten den Ärmeren nicht alle Möglichkeiten absprechen. Sie müssen dafür sorgen, dass Arbeitslose und deren Kinder neue Chancen erhalten. Und wenn sie das nicht endlich begreifen, dann dürfen sie sich nicht beklagen, wenn sie irgendwann als dumm und asozial hingestellt werden.