„Gesunde Unternehmen brauchen gesunde Mitarbeiter“, informierte die Industrie- und Handelskammer vor kurzem die ihr angeschlossenen Firmen. So selbstverständlich, wie sich das anhört, ist das für einige Bosse leider nicht. Voriges Jahr erklärte ein westdeutscher Unternehmer, der hohe Krankenstand in seiner Frankfurter Niederlassung läge an der hiesigen Mentalität und den Ärzten, die zu schnell Atteste ausstellen würden. Die Tatsache, dass seine Lohnsklaven acht Stunden am Tag sitzend auf den Computerbildschirm glotzen müssen, spielte für den Schlipsträger keine Rolle. Schließlich hätten seine Leute das Recht auf insgesamt fast dreißig Minuten Kurzpause, um aufs Klo zu gehen, ihre Trinkflaschen am weit entfernten Wasserhahn nachzufüllen oder ähnliche Entspannungsmöglichkeiten zu nutzen. Es gibt sogar Chefs, die häufige Krankheit für einen Kündigungsgrund halten. Rechtlich gesehen ist sie das nur unter besonderen Umständen. Mein Vorschlag wäre, nicht diejenigen zu bestrafen, die oft krank sind, sondern die zu belohnen, die selten oder nie fehlen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn bei hohem Umsatz nicht nur dem Vorstand ein Bonus bezahlt wird, sondern auch den Arbeitern, die das möglich gemacht haben? Mehr Freizeit würde auch diejenigen motivieren, die Krankschreibungen eventuell als zusätzlichen Urlaub missbrauchen. Eine weitere Maßnahme, welche die Gesundheit der Mitarbeiter extrem fördert, können manche Arbeitgeber in unserem Teil des Landes kaum aussprechen. Sie heißt Gehaltserhöhung. Wer sich weniger Sorgen um unbezahlte Rechnungen und Miete machen muss, und sich gesündere Lebensmittel leisten kann, wird seltener krank.