Von Georg Langer
Mit dem bundesweit gefeierten Reformationsfest näherte sich am Dienstag der Lutherzug seiner Endstation. Nun muss sich niemand mehr bemühen, jeden Ort und jede Veranstaltung mit dem Urheber der evangelischen Kirche in Verbindung zu bringen. Jetzt ist Schluss mit dem Zwang, die Verdienste des Theologen zu loben und seine rückständigen Ansichten in Bezug auf Frauen, Behinderte, Juden und den Umgang mit dem Pöbel zu relativieren. Die Gründung einer neuen Religion stellte keine besondere Leistung dar. Allerdings beabsichtigte der Reformator wohl weder das noch die darauf folgenden Glaubenskriege. Sein Anliegen war, die katholische Kirche zu verbessern. Besonders ärgerte ihn bekanntlich der Ablasshandel, bei dem Sündern weisgemacht wurde, sie könnten das höchste Gericht bestechen. Luthers Kritik an dieser Geldmacherei stieß bei den Kirchenfürsten auf taube Ohren. Ihnen waren wirtschaftliche Interessen wichtiger. Hätten dieselben Leute heute das Sagen, gäbe es wahrscheinlich Gebete mit Werbepausen. Es dauerte lang, bis auch die Katholiken vom Ablass abließen. So führte die Reformation zu Protestanten, wie Woidkes Reform zu Protesten führte. Damals wie heute ist es schön, wenn Bedenken beachtet werden. Die Einkreisung fällt aus. Auch die katholische Kirche redet inzwischen in der Landessprache, obwohl sich Latein mystischer anhört. Luther stört es eventuell, dass sein Ehrentag ausgerechnet auf Halloween fällt, denn der Reformator sprach sich gegen katholische Bräuche heidnischen Ursprungs aus. So mochte er es überhaupt nicht, wenn Gebete an das Bild einer attraktiven Frau gerichtet werden. Selbst den Karneval wollte die alte Spaßbremse abschaffen.