Wie so oft nutzen Streithammel das Weihnachtsfest, um Konflikte auszutragen. Gewisse Leute stellen die Geburt des Königs der Juden vor ungefähr zwei Jahrtausenden als Teil der deutschen Leitkultur dar. Verteidiger des christlichen Abendlandes, die noch nie eine Kirche von innen sahen, dürfen da nicht fehlen. Sie sehen überall Angriffe auf unsere Bräuche. Bezeichnet jemand den mit Prügelstrafe drohenden Knecht Ruprecht als nicht mehr zeitgemäß, lässt der Aufschrei kaum lang auf sich warten. Diesen Missbrauch der besinnlichen Jahreszeit gibt es in den USA schon lange. Eiferer behaupten dort regelmäßig, Anders- und Ungläubige führten einen Krieg gegen Weihnachten. Das halte ich für kompletten Unfug. Niemand hat die Absicht, Weihnachten abzuschaffen. Sicher fallen Versuche, Menschen mit einzubeziehen, die das Fest aus religiösen Gründen nicht zelebrieren, lächerlich aus. Aber es bedeutet doch keinen Angriff auf Traditionen, wenn jemand „Frohes Fest“ oder „Schöne Tage“ statt Weihnachten sagt. Feiern und feiern lassen, finde ich. Genauso gut könnten wir diskutieren, ob am 25. Dezember eine Gans, ein Truthahn oder ein Karpfen auf den Tisch gehört. Das ganze Brauchtum vermischte sich schon vor langer Zeit. Der Tannenbaum ist heidnischen Ursprungs. Jesus lebte in Israel. Der Weihnachtsmann ist eine nordamerikanische Version des Amsterdamer Schutzheiligen Nikolaus, der selbst griechisch sprach. Es geht hier um das Fest der Freude, nicht den Kampf der Kulturen. Also wünschen wir schöne Feiertage, frohe Weihnachten, gesegnetes Lichterfest, Friede auf Erden und Wohlwollen der ganzen Menschheit.