Kunst braucht Publikum. Das sagte diese Woche sehr treffend ein Frankfurter. Anlass war, dass zwei Skulpturen aus dem Depot wieder ins Freie verlegt wurden. Leider verstauben andere Kunstwerke seit langem in Lagerräumen. Voriges Jahr kaufte das Kleist-Museum mit Hilfe privater Spenden ein Brieffragment in der Handschrift des Dichters. Nach der unvermeidlichen Sonderausstellung verschwand der Zettel in der so genannten Schatzkammer des Hauses. Die meisten Kirchen der Region lassen nur an bestimmten Tagen Schaulustige herein. Ein Gemälde, das ein Künstler der Stadt schenkte, hängt jetzt im Büro des Oberbürgermeisters, der vermutlich nicht jedermann zur Besichtigung einlädt, aber immerhin verspricht, einen würdigeren Ort zu suchen. Als Grund für diese kulturellen Versteckspiele höre ich immer Schutz vor Diebstahl oder Beschädigung. Heißt das, wertvolle Dinge bleiben weggesperrt, bis irgendwann in ferner Zukunft kein Mensch mehr klaut und randaliert? Sicher fiel in der Vergangenheit das eine oder andere Objekt Langfingern zum Opfer, meistens weil es an Stellen stand, die nachts mangels Beleuchtung finster und menschenleer sind. Dieses Risiko ließe sich durch die erstaunliche Technologie der Laterne minimieren. Für Bilder und Dokumente gibt es Schaukästen mit Spezialglas und Alarmanlagen. Die Mona Lisa liegt nämlich nicht im Tresor des Louvre. Außerdem gehören viele eingelagerte Schätze der Bevölkerung. Die setzt sich nicht nur aus Vandalen und Dieben zusammen. Kunst im öffentlichen Raum fördert Lebensqualität, Tourismus und Zuzug. Das sollte nicht aus Angst verpatzt werden. Wenn ich Gäste bewirte, verstecke ich ja auch nicht das gute Geschirr.