Von Georg Langer
Nach langer Zeit reiste ich wieder einmal nach Israel. Das erste, was mir bei der Ankunft in Tel Aviv auffiel, und viele überraschen dürfte, ist der Mangel an Polizeipräsenz. Während bei meiner Abreise in Tegel überall Uniformierte herumstanden, manche mit Sturmgewehren, sah ich auf dem Ben-Gurion-Flughafen keine. Auch in den israelischen Städten geht kaum jemand auf Streife. Polizisten tauchen nur auf, wenn sie gerufen werden. Beim Betreten besonders gefährdeter Gebäude werden Taschen und Rucksäcke kontrolliert, aber nirgends verboten. Der jüdische Staat, seit seiner Unabhängigkeit Lieblingsziel für die Anschläge vieler Terrorgruppen, hat längst gelernt, dass willkürliche Einschüchterung der Bevölkerung keinen Einfluss auf die Sicherheit hat. Ein Selbstmordattentäter, der sich auf das Leben nach dem Tod freut, lässt sich nicht vom Anblick humorloser Bullen mit dicken Wummen und bissigen Kötern abschrecken. Unschuldige Bürgerinnen und Bürger fühlen sich dadurch geborgener, wird oft behauptet. Stattdessen, glaube ich, werden sie ständig an die Gefahr eines Angriffs erinnert. Wir könnten uns ein Beispiel an den Israelis nehmen. Sie lassen sich durch die Bedrohung nicht die Laune verderben. Die meisten gehen nach der Arbeit nicht nach Hause, sondern vergnügen sich in Kneipen, Cafés oder am Strand. Ohne ihre Freiheiten einzuschränken trotzen sie Antisemiten und Islamisten, die sich zum Ziel gesetzt haben, alle Juden ins Meer zu treiben. Mit ihrer nonchalanten und furchtlosen Einstellung zeigen die Söhne und Töchter Israels, dass sie nicht zu besiegen sind. Auch wir sollten feiern, als gäbe es kein Morgen, mit dem hebräischen Trinkspruch L’Chaim - Auf das Leben!