Vor genau vier Jahren kehrte ich in die Heimat zurück. Einer meiner ersten Eindrücke war, wie dunkel die Städte hier am Abend sind. In Amsterdam war ich ein Lichtermeer gewohnt, das den Sternenhimmel verschwinden lässt. Selbst Brückenbögen, Grünanlagen und Autobahnen sind dort beleuchtet wie Weihnachtsbäume. Inzwischen fällt mir die Dunkelheit bei uns im äußersten Osten Deutschlands kaum noch auf. Das änderte sich diese Woche. Ich befand mich kurz vor fünf, zu dieser Jahreszeit also lange nach Sonnenuntergang, auf dem Heimweg. Im Frankfurter Kleistpark sprang mir die Kette vom Fahrrad. Ich zog die Handschuhe aus und schaffte es nach einigem Herumtasten, das Problem zu beheben. Danach waren meine Finger natürlich besser geschmiert als ein Fußballfunktionär. Um meine Handschuhe nicht zu ruinieren, ließ ich sie in den Jackentaschen und setzte meinen Weg fort. Zu Hause angekommen wusch ich mir zuerst die Hände. Als ich dann in meine Taschen griff, fand ich dort nur einen Handschuh. Fluchend schwang ich mich wieder auf den Drahtesel. Langsam verfolgte ich die Strecke zurück, auf der Suche nach einem schwarzen Lederhandschuh, der irgendwo in der schwarzen Nacht auf schwarzem Asphalt lag. Viel Hoffnung hatte ich nicht. Um so erstaunter war ich, als ich wider Erwarten mitten auf einer Hauptverkehrsstraße fündig wurde. Anscheinend haben sich meine Augen besser an die Brandenburger Finsternis angepasst, als ich dachte. Damit steht fest, dass ich kein Großstadtmensch mehr bin, sondern vollständig integriert in das Land der Sümpfe, Wölfe und Biber. Jetzt muss ich nur noch aufhören, hochdeutsch zu sprechen.