Von Georg Langer
„Frankfurt ist arm und nicht sexy“ - mit diesen Worten warb der jetzige Oberbürgermeister Anfang des Jahres für seine Heimatstadt. Er versprach, etwas gegen die seiner Meinung nach gravierende Armut zu unternehmen. Den ersten Schritt in diese Richtung ging er jetzt. Er besorgte Uwe Meier, einst Chef eines inzwischen insolventen Unternehmens, einen gut bezahlten Posten als Pressesprecher. Laut Stellenausschreibung suchte die Stadtverwaltung dafür Leute mit abgeschlossenem Studium, Polnisch- und Englischkenntnissen. Ziemlich hohe Anforderungen, die wahrscheinlich viele, aber bei weitem nicht alle Bewerberinnen und Bewerber abschreckten. Den Job erhielt nun jemand ohne diese Qualifikationen. Für die seltsame Entscheidung könnte es verschiedene Gründe geben. Vielleicht betrachtet Oberbürgermeister René Wilke die Maurerlehre seines Kandidaten als gleichwertig mit Universitätszeit und Sprachwissen. Oder der linke Politiker fühlt sich durch einen ehemaligen Geschäftsmann mit Luxuswagen besonders gut vertreten. Immerhin verfügt Uwe Meier über journalistische Erfahrung. Nach seiner Entlassung bei unserer Zeitung gründete er eine Kopie davon, die wenige Monate später pleite ging. Jedenfalls spielte die Tatsache, dass Uwe Meier im Wahlkampfteam des neuen Stadtoberhaupts saß, und ihn nach dessen Sieg wie ein überdimensionaler Schatten auf vielen Veranstaltungen begleitete, bestimmt keine Rolle bei der Stellenvergabe. Das wäre ja Nepotismus, Bevorteilung von Freunden und obendrein unfair gegenüber den anderen Interessierten. Die hätten dann mit ihren Bewerbungen nur kostbare Zeit verschwendet. Undenkbar.