Privatisierung kann gut oder schlecht sein. Es hängt davon ab, was privatisiert wird. Wenn es wie in Irland die Wasserversorgung betrifft, führt das zu berechtigten Protesten. Alle sollten unabhängig vom Geldbeutel das Recht auf Trinkwasser haben. Auch bei Krankenhäusern ist Privatisierung unangebracht. Dort gibt es keine Konkurrenz, da sich niemand bei einem Unfall oder ähnlichem aussucht, welche Notaufnahme angesteuert wird. Bei einer Privatisierung der Bahn droht die Gefahr, dass die Aktiengesellschaft weitere unrentable Strecken schließt. Schon jetzt investiert sie vermehrt, um Personen- und Güterverkehr auf die Straße zu verlagern. Andere Bereiche wären in Privathand vielleicht besser aufgehoben. Zum Beispiel wagen es viele Politikerinnen und Politiker kaum, mehr Blitzer aufzustellen. Das könnte bei der nächsten Wahl die Stimmen derjenigen kosten, die das Rasen durch Ortschaften für ein Grundrecht und Höchstgeschwindigkeiten für Tyrannei halten. Privatfirmen müssen das nicht befürchten. Sie könnten dafür sorgen, dass die Straßen sicherer werden, und durch ihre Steuern die Gemeinden finanziell unterstützen. Eine ganz besondere Form der Privatisierung wurde am Dienstagabend in Frankfurt (Oder) beobachtet. Dort schnitt ein älterer Herr Zweige von dem Weihnachtsbaum ab, der neben dem Rathaus steht. Als eine Frau ihn darauf ansprach, schämte er sich keineswegs, sondern verteidigte sein Vorgehen. Zum Glück teilt die Mehrheit der Bevölkerung seine Einstellung zu gemeinschaftlichem Eigentum nicht, sonst würden auf öffentlichen Plätzen zur Adventszeit nur kahle Holzpfosten stehen, die bestenfalls noch als Maibaum geeignet sind.