Bald geht sie wieder los, die Weltmeisterschaft im Bälle treten. Zwei deutsche Nationalspieler nutzten sie bereits, um dem besonders unter kurdischen Mitbürgern beliebten Erdogan beim Wahlkampf zu helfen. Das ruft berechtigte Empörung hervor, sollte aber kaum überraschen. Professionelle Fußballer arbeiten an erster Stelle als Werbefachleute, an zweiter Stelle als Schauspieler, und erst an dritter Stelle als Sportler. Da sie dieses Jahr in Russland stattfindet, läuft die gesamte Veranstaltung auf Torschützenhilfe für Putin hinaus. Bekanntlich nimmt der es mit den Menschenrechten auch nicht so genau. Alle Rufe, das potenzielle Propagandaereignis zu boykottieren, verhallen ungehört. Es gehe ja nicht um Politik, sondern um Sport, sagen alle, die am beliebtesten Rasenspiel der Welt verdienen. Außerdem wäre es schade, unseren Freizeitathleten den Spaß zu verderben. Sie freuen sich schon lange darauf, ihre Trikots, Jogginghosen und Turnschuhe anzuziehen, um dann sportlich vor der Glotze zu sitzen. Persönlich verstehe ich nicht, warum es dieses Trara nur bei der Meisterschaft der Männer gibt. In den Vereinigten Staaten gilt Fußball als Mädchensport. Dagegen betrachtet es der Großteil der Welt als normal, Jungs in kurzen Hosen und hohen Strümpfen zuzusehen, die sich regelmäßig die Beine rasieren. Wenn sie gewinnen, liebkosen sie einander zärtlich. Wenn sie geschubst werden, brechen sie in Tränen aus. Wer kann so viel Männlichkeit schon widerstehen? Aber das ganze Spektakel unterstützt neben großen Konzernen die regionale Wirtschaft. Wer mit Bier oder mit Polenböllern handelt, reibt sich die Hände. Es sei ihnen gegönnt. Prost und Sport frei!