Von Georg Langer 
Ungewöhnlich erscheint es schon, wenn der mohammedanische Fastenmonat Ramadan die Abendnachrichten mehrerer Radio- und Fernsehsender erreicht. Vielleicht gab es sonst nichts zu berichten. Ramadan kommt aus dem Arabischen und bedeutet Trockenheit. Angeblich fördert der Verzicht auf lebenswichtige Substanzen von morgens bis abends Spiritualität und Selbstdisziplin. Wer längere Zeit in islamischen Ländern verbringt, erhält einen anderen Eindruck. Massenschlägereien zwischen hungrigen Männern gehören besonders am späten Nachmittag zur Tagesordnung. In Ägypten brüllte einmal ein empörter Herr meine Reisegefährtin an, weil sie einen Schluck Wasser trank, und verstummte erst, als ich auf die Zigarette zeigte, die er gerade rauchte. Dieses Jahr nutzen einige Eltern den Monat der Trockenheit, um von Schulen Sonderrechte für ihre Sprösslinge zu fordern. Eigentlich bringt das Fasten nur demjenigen etwas, der auch die anderen vier Säulen des Islam beachtet, also regelmäßig Almosen an die Armen verteilt, den schwarzen Stein in Mekka küsst, das Glaubensbekenntnis ablegt und fünfmal pro Tag auf dem Gebetsteppich herumturnt. Doch wie viele Christen nur zu Weihnachten, entdecken viele Moslems nur zum Ramadan ihren Glauben. Ist ja auch nicht schlimm. Dieser mittelalterliche Brauch liefert Gläubigen einen Anlass, sich allabendlich den Bauch vollzuschlagen. Die Entscheidung der Bundesregierung, einen gesegneten Ramadan zu wünschen, gibt den Rechten wieder etwas, worüber sie sich aufregen können. Aber wegen einer religiösen Gepflogenheit sollte niemandem eine Extrawurst gebraten werden, nicht einmal nach Sonnenuntergang und ohne Schweinefleisch.