Von Georg Langer
Mittwoch war Tag der Pressefreiheit. Auf der Rangliste erreicht Deutschland Platz sechzehn. Reporter ohne Grenzen äußern sich besorgt über Vorratsdatenspeicherung, ein neues Gesetz gegen sogenannte Datenhehlerei, und erweiterte Befugnisse des Bundesspitzeldiensts. Immer häufiger werden Enthüllungsjournalisten vor Gericht geschleift. Polizisten erteilen Medienvertretern Platzverweise oder konfiszieren ihre Kameras. Gewisse Politiker und ihre Anhänger nennen uns Lügenpresse, Lückenpresse oder gleichgeschaltete Mainstream-Medien. Wir würden von Merkel dafür bezahlt, Blödsinn zu verbreiten und Dinge zu verschweigen, behaupten diese Stimmen. Sie verlassen sich stattdessen auf das, was sie alternative Medien nennen. Damit meinen sie Verschwörungstheoretiker, die unter falschen Namen Internetseiten betreiben, oder das russische Staatsfernsehen. Allerdings gebe ich zu, dass wir manchmal die Vorurteile gegen uns füttern. Auch wir verlassen uns oft auf Informationen aus dem Internet und offizielle Pressemitteilungen. Nicht immer haben wir Zeit oder Gelegenheit, selbst zu recherchieren. So passiert es, dass mehrere Zeitungen, Radiosender und Fernsehprogramme auf dieselbe Falschmeldung hereinfallen. Wir sollten uns immer die Mühe machen, alles zu hinterfragen und unabhängig nachzuforschen. So haben wir die Möglichkeit, Missstände aufzudecken und etwas zu verändern. Dann können wir zumindest die Mehrheit unserer Leser, Zuhörer und Zuschauer davon überzeugen, dass wir für sie arbeiten, und nicht für die Obrigkeit. Wir Journalisten haben einen Ehrenkodex. Aber darüber berichtet die Lückenpresse ja nicht.