Laternenpfahl möchte ich momentan nicht so gerne sein. Die Last wäre mir zu schwer. Große Plakate mit Fotos lachender bis grinsender Gesichter hängen nicht selten im Zweierpack dran. Gut sechs Wochen vor der Bundestagswahl. Diese Antlitze gehören Männer und Frauen, die sich für unser Land einsetzen möchten. Das wiederum rückt die Daseinsberechtigung eines Laternenpfahls in ein ganz anderes Licht. Plötzlich ist diese Straßenlampe ein Symbol für die Demokratie, die die meisten Menschen zu schätzen wissen. Denn gerade in diesem Jahr wird ihnen schmerzlich bewusst, dass es auch anders gehen muss. Jeden Tag erfahren wir aus den Nachrichten, dass dieses Gut nicht allen Erdenbürgern zuteil wird. Schade nur, dass manche Ignoranten dieses Grundrecht der Deutschen nicht wahr nehmen. Wer jetzt glaubt, das sind Diejenigen, denen die Bundesrepublik auch weit mehr als ein Vierteljahrhundert nach der friedlichen Revolution noch immer nicht zur Heimat geworden ist, irrt. Als gelernte und übrig gebliebene DDR-Bürger werden gerade sie am 24. September im feinen Sonntagszwirn ins Wahllokal strömen. Genau so muss es sein. Ein Recht ist auch immer mit einer Pflicht verbunden. Und das Wahlrecht zieht die Pflicht mit sich, die Demokratie in unserem schönen Land aufrecht zu erhalten. Und es sollte uns verdammt nochmal eine Ehre sein. So ein Kreuzchen zu machen, ist doch wirklich nicht schwer. Und wer (noch) keine Meinung hat, sollte aufmerksam die Plakate an den Laternenpfählen studieren. Dabei wird irgendwann einleuchtend erscheinen, wo das Kreuzchen vor dem Urnengang richtig platziert ist.