Nur kurze Zeit rief sie Empörung hervor: Die Erhöhung der staatlichen Parteienfinanzierung. Nun übertönen wieder Fußballgelaber und Nachrichten von der Asylpolitik Deutschlands, Europas, Donald Trumps und sogar Algeriens den Skandal. Dabei liefert der gierige Griff in die Staatskasse genug Grund zum Aufruhr. Parteien dürfen sich nämlich ab jetzt noch freizügiger von dem Geld bedienen, das uns allen gehört und überall für Schulen, medizinische Versorgung, Pflege, öffentliche Verkehrsmittel und vieles mehr fehlt. Beschlossen haben das die Koalitionspartner. Bereichern werden sich dadurch einige Parteien, Extremisten inklusive. Belustigend kommt die Rechtfertigung daher. Demnach würden diese Mittel für Herausforderungen der Digitalisierung benötigt, beteuern Befürworter. Besonders für soziale Netzwerke, die jedermann kostenlos nutzt, verlangen Parteien plötzlich Millionensummen. Zwar möchte ich nicht missgünstig sein. Wahlkampf wird wirklich immer teurer. Und nicht alle Kandidaten erhalten gleichwertige Finanzhilfe von der Wirtschaftslobby oder von Vladimir Putin. Aber brauchen wir Steuern nicht weitaus dringender für die Dinge, für die sie einst gedacht waren? Während die Regierenden sich nicht lang nach der Diätenerhöhung schon wieder die Tasche füllen, zwingen sie Länder und Kommunen zum Sparen. Das Ganze stinkt dermaßen, dass selbst Oppositionspolitiker, die davon profitieren, der Form halber protestierten. Dann hakten sie das Thema ab und gingen zur Tagesordnung über. Die lautet so lange über Einwanderung reden, bis das Publikum abschaltet oder Fußball glotzt. Im Laufe der Sommerpause wächst ohnehin Gras darüber.