Frankfurts Schicksal für die nächsten acht Jahre entscheidet sich diesen Sonntag. Der parteilose Dr. Wilke und der parteitreue Genosse Wilke treten in einer Stichwahl gegeneinander an. Einige tun so, als wäre das Ergebnis längst besiegelt. Tatsächlich erscheint es wie ein Kampf zwischen David und Goliath. Goliath ist diesmal kein Riese. Dafür verfügten seine Partei und er über deutlich mehr Geld und Zeit für den Wahlkampf als sein Rivale, der nebenbei die Stadt leiten musste. Auch verstand es der Herausforderer, das Internet geschickt für seine Kampagne zu nutzen. Unermüdlich verkündeten seine Gefolgsleute öffentlich in den sozialen Netzwerken, dass sie ihn wählen. Das Recht auf geheime Wahlen halten sie wohl für keine wichtige Errungenschaft. Über ihre Profilbilder klebten sie rote Banner mit dem Namen ihres Idols, die an die Trump-Mützen in den USA erinnern. Jüngeren Fans verspricht René Wilke frischen Wind für die Stadt - ein windiges Versprechen vom Vertreter der Partei, die vierzig Jahre totalitär herrschte. Alten Kommunisten verheißt er die Rückkehr zur Bedeutung Frankfurts vor 1989, die der damals Fünfjährige vermisst. Heutzutage findet er seine Heimat arm und nicht sexy, wo Menschen in Angst und Schrecken leben. Dr. Martin Wilke mag sich weniger glamourös kleiden. Aber er kämpfte tapfer für Frankfurts Kreisfreiheit, während der andere Wilke durch Stimmenthaltung glänzte. Ist der Linke fähig und willens, mit der polnischen Seite unserer Doppelstadt zusammenzuarbeiten, oder mit der von ihm wegen angeblich unnormaler Vorlesungszeiten zu Unrecht kritisierten Uni? Können wir ein linkspopulistisches Experiment riskieren? Wählen wir weise: Welchen Wilke wollen wir wirklich?