Von Georg Langer
Ich verstehe ja, dass unsere Kommunen sparen müssen. Schließlich ist Deutschland ein bettelarmes Land, das sich mühsam von Auto-, Chemie- und Rüstungsexporten ernährt. Darum verzichtet unsere Obrigkeit gern auf zuverlässige öffentliche Verkehrsmittel, schimmelfreie Schultoiletten, die Instandhaltung von Brücken, Löschflugzeuge und ähnlichen Luxus. Unsere Steuern benötigt sie für wichtigere Dinge wie die Subventionierung großer Konzerne. Eine Sparmaßnahme, an die ich mich fast gewöhnt hatte, fiel mir vorigen Samstag wieder auf. Kurz nach neun Uhr abends waren alle Ampeln ausgeschaltet, und zwar in Frankfurts unfallfreudigster Straße, dem so genannten Highway. Das verwandelt diese vierspurige Rennstrecke in russisches Roulette für Fußgänger. Selbst tagsüber halten sich dort nur wenige Autofahrer an Tempo 50. Ohne Ampeln kennt das nächtliche Rasen keine Grenzen. Wohl dem, der es da heil auf die andere Straßenseite schafft. Die allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung gestattet übrigens das Abschalten von Ampeln nur in Ausnahmefällen. Geld sparen bedeutet vielen Kommunen aber viel mehr. Eine Ampel mit Leuchtdioden verbraucht immerhin acht bis sechzehn Watt, eine mit Glühlampen vierzig bis hundert Watt. Wer die acht Stunden lang ausknipst, spart zehn bis zwanzig Cent. Lohnt es sich wirklich, dafür Leib und Leben zu riskieren? Nun wird mancher Sparfuchs argumentieren, dass nachts in einer Kleinstadt sowieso kaum Menschen unterwegs sind. Aber „kaum“ heißt nicht „keine“. Und kurz nach neun Uhr abends ist nicht nachts, schon gar nicht an einem Samstag im Hochsommer.