Ich dachte, ich spinne , als ich neulich über den Flohmarkt lief. Da hatte ich doch auf einmal große, neonfarbene Creolen in der Hand. Solche, die wir in den Achtzigern nur unter der Hand von Schwarzhändlern am Berliner Alexanderplatz kaufen konnten. Erinnern Sie sich? Damals gab es auch diese Sticker von Shakin Stevens, den keiner kannte. Aber weil es eben cool war, so ein Ding an der Wisent zu haben, waren die zehn Ostmark gut investiert. Gleich daneben baumelten grelle Telefonstrippen. Während meines Streifzugs über den Flohmarkt habe ich ein ähnliches Teil wiedergefunden. Als ich meiner fünfjährigen Tochter dieses Relikt aus Kindertagen zeigte, sah sie mich an wie wir nach der Wende Südfrüchte. Mit Unverständnis. „Wieso hast du dir sowas an die Hose gehängt”, wollte die Kleine wissen. Eine nachvollziehbare Antwort hatte ich natürlich nicht. Mal ehrlich: Eigentlich war es doch schön, diese Dekade hinter sich gelassen zu haben. Aber irgendwie landen alle Missgriffe aus jenen Jahren so pö a pö wieder auf der Bildfläche. Viele von denen, die früher mit mir durchs Viertel zogen, trinken plötzlich wieder Pfeffi. Und in den vermeintlichen In-Läden gibt es kaum noch vernünftige Klamotten. Ich brauche bestimmt mindestens zehn Jahre bis ich mich überwinden kann, noch einmal Karottenhosen anzuziehen. Oder viel zu weite T-Shirts. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Teile für meine jetzige Figur überhaupt nicht mehr geeignet sind. Und wenn das Kind noch einmal das Wort Sticker ausspricht... Ich glaube, das Einzige, was mich heute noch mit den Achtzigern verbindet, sind meine Erinnerungen. Bloß gut.