Märchen erzählen von geheimnisvollen Orten, nur erreichbar zu bestimmten Zeiten oder für auserwählte Menschen. Gegenwärtig bemühen sich die Deutsche Bahn, der Landesbetrieb Straßenwesen und andere Zauberer darum, dass auch dem östlichen Brandenburg diese Ehre zukommt. Straßen, die keineswegs kaputt aussahen, bedürfen plötzlich der Sanierung. Auf holprigen Umwegen wird der Verkehr weiträumig umgeleitet. Städtische Bauämter verwandeln wichtige Verbindungsadern für viele Monate in Buddelkästen. Auch dort führen selten sichtbare Arbeiter notwendige Reparaturen aus, heißt es. Auf den noch nicht stillgelegten Schienen dauern Baumaßnahmen Jahre und Jahrzehnte. Züge gehören inzwischen nicht nur zu den teuersten, sondern auch den rarsten Verkehrsmitteln. Verzögerungen werden mitunter geheim gehalten. So passiert es, dass Fahrgäste verwirrt vor Haltestellen stehen, ohne zu wissen, ob, wann und wo ein Ersatzbus sie auf die lange Reise zum nächsten Kaff mitnimmt. Pendler melden sich reihenweise krank. In Frankfurt fielen vier von fünf Straßenbahnlinien gleichzeitig aus. Das geschah nicht etwa durch eine Naturkatastrophe, sondern nach Plan. Längst mussten Güterzüge und Binnenschiffe endlosen Kolonnen von Lastwagen weichen, die Autobahnen verstopfen. Boote oder ihre Motoren verschwinden nachts aus unbewachten Häfen. Bald sind wir völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Legenden werden sich um die Gegend zwischen Berlin und Polen ranken. Seltsame Wesen und sagenhafte Schätze warten auf die Abenteurer, die zu Fuß oder hoch zu Ross die strapaziöse Reise durch Wälder und über Felder dorthin wagen, wird dann gemunkelt.