Sie saugen uns aus. Damit meine ich nicht etwa die Betreiber der öffentlichen Verkehrsmittel, die wieder einmal die Preise erhöht haben, oder die Steuereintreiber. Beide werden zurzeit von den inoffiziellen Wappentieren des Oderlands in den Schatten gestellt. Ihr eigentliches Leben verbringen die kleinen Ungeheuer als wurmähnliches Fischfutter unter Wasser. Dann erstarren sie und treiben an die Oberfläche. Aus ihren Körpern steigen geflügelte Wesen auf, die sich vor Sonnenlicht und Knoblauch fürchten und vom Blut der Lebenden ernähren. Was sich wie ein Gruselmärchen anhört, ist in vielen Feuchtgebieten der Welt unangenehme Wirklichkeit. Wenigstens übertragen unsere heimatlichen Moskitos keine gefährlichen Krankheiten. Dafür sind sie noch grausamer als ihre tropischen Verwandten. Sie stechen durch die meisten Kleidungsstücke und selbst durch Schuhe hindurch. Die Wunden, die sie hinterlassen, jucken noch nach mehreren Tagen. Und neuerdings greifen sie sogar am hellen Tag an. Seit ungefähr einer Woche lautet ihr Name Legion. Jeden Versuch, das schöne Wetter im Freien zu genießen, verderben uns die dämonischen Insekten. Dagegen lässt sich kaum etwas unternehmen. Das Gift, mit dem ihre Brutplätze früher besprüht wurden, hat wahrscheinlich viele andere Lebewesen um die Ecke gebracht, aber die Mücken nur zu etwas Stärkerem mutieren lassen. Alle Gewässer trockenzulegen wäre dann doch zu extrem. Obendrein leben dort unsere Verbündeten, die Frösche. Die einzige Möglichkeit zur Gegenwehr, die uns bleibt, ist die Zeitung zusammenzurollen und damit zuzuschlagen. Allerdings bitte ich darum, sie vorher zu lesen.