Von Georg Langer
Um dem Insektensterben entgegenzuwirken, entstehen vielerorts Blühwiesen. Frankfurt (Oder) ließ das vor kurzem auf einigen winzigen Flächen zu. Im Rest der Stadt wird weiterhin gemäht, was das Zeug hält. Wer wacht nicht gern um sieben Uhr morgens zum Lärm und Gestank einer benzinbetriebenen Motorsense auf? Die Laster, mit denen das Amt die schwere Gerätschaft an- und abkarrt, parken am liebsten auf Schutzstreifen, auf Rad- oder Gehwegen. So erlebt mancher Verkehrsteilnehmer spannende Abenteuer auf der Fahrbahn. Leider hat die ständige Mäherei nicht nur Unterhaltungswert. Sie bringt auch gewisse Nachteile. Zum Beispiel bestehen die Mähfäden der Motorsensen aus Kunststoff. Wenn sie abgenutzt sind, bleiben sie auf dem Boden liegen und werden Teil davon. Außerdem ist es fragwürdig, wie gut von der anhaltenden Trockenheit geschädigte Pflanzen das Abhacken vertragen. Als Argument für kurze gelbe Steppenlandschaften kommt meistens „gepflegtes Aussehen“. Die bunten Blüten naturbelassener Wiesen stören dabei. Falls es wirklich um Sauberkeit geht, schlage ich vor, die Motorsensen gegen Besen einzutauschen. Kurzes oder langes Gras mag Geschmackssache sein. Mit Glasscherben, Zigarettenstummeln, alten Feuerwerkskörpern und Wahlplakaten übersäte Bürgersteige dagegen gelten weltweit als Erkennungsmerkmale von Armenvierteln. Da könnten sich die amtlichen Mähfreunde viel sinnvoller beschäftigen. Wenn das Gras samt Wildblumen unbedingt aus dem Stadtbild verschwinden muss, gibt es dafür seit langer Zeit Sensen ohne Verbrennungsmotor. Die lassen sich sogar ohne teure Schutzausrüstung und komplett klimaneutral bedienen.