So überraschend war das Ergebnis der Bundestagswahl nun auch wieder nicht. Die Roten und die anderen Roten schnitten in Brandenburg schlecht ab. Das könnte etwas mit dem Lieblingsprojekt ihrer Landesregierung, der als Reform getarnten Zentralisierung und Einkreisung zu tun haben. Doch das meiste Aufsehen erregt eine national-konservative Partei. Sie gewann deutschlandweit die Bronzemedaille, in unserer Region sogar die Silbermedaille im Rennen um die Parlamentssitze. Bemerkenswert, da ihre Stadt- und Kreisverbände in dieser Gegend weniger Mitglieder haben als manche Lesegruppen. Zwar schien die relativ neue Gruppierung über schier unerschöpfliche Finanzquellen zu verfügen, um jeden Laternenmast mit nicht gerade billigen Plakaten zu behängen und sogar im russischen Staatsfernsehen zu werben. Aber das allein erklärt kaum ihren Erfolg. Die beliebte Behauptung, jeder fünfte Ossi sei ein fremdenfeindlicher Hinterwäldler, ist selbstverständlich Blödsinn. Ich vermute einen anderen Grund. Dem rechten Lager wurde das Monopol auf Islamkritik überlassen. Das durfte nicht passieren. In einem Landstrich, der jahrzehntelang vom Atheismus dominiert wurde, ist der plötzliche Zuzug tausender Muselmanen eben ungewöhnlich. Wenn Frauen sich nicht mehr allein in den Park oder den Bus trauen, liegt das nicht an Rassismus. Die ständigen Rufe, der Islam sei tolerant und friedlich und jeder Zuwanderer ein Kriegsflüchtling helfen genauso wenig wie die nach Obergrenzen oder Umverteilung. Alle politisch Interessierten müssen darüber reden, wie wir sowohl unsere Willkommenskultur als auch unsere Freiheiten behalten können. Dann werden populistische Protestparteien unnötig.