Von Georg Langer
Die gute Nachricht kommt zuerst: Mehr Leute als in den Vorjahren beteiligten sich diesmal an den Wahlen. Das Interesse an der Demokratie, für die wir 1989 auf die Straße gingen, steigt also endlich. Was die Ergebnisse betrifft, finde ich sie nicht so überraschend. Es war klar, dass die Grünen besonders gut abschneiden. Alle anderen großen Parteien steckten angesichts eines von Menschen verursachten Klimawandels und Artensterbens, für das normalerweise ein Asteroideneinschlag notwendig wäre, die Köpfe in den Sand. Bei uns im Osten fallen eine schwache Mitte und starke Ränder auf. In Märkisch-Oderland erhielt die AfD die Mehrheit aller Stimmen, in Frankfurt (Oder) die Linke, auch wenn sie einige Protestwähler verlor, seitdem sie selbst das Stadtoberhaupt stellt. Nun zieht in der europäischen Doppelstadt die Partei, die alle Grenzen schließen will, mit neun Leuten - ausschließlich Männer - ins Stadtparlament. Was dieses reine Jungsfest bewirkt, werden wir sehen. Nur in Oder-Spree gewannen die Sozen, und die AfD schockiert dort mit weiblichen Abgeordneten. Derweil schwächeln die bürgerlichen Parteien vor sich hin, und müssen jetzt ihre Themen überdenken. Offensichtlich reicht es nicht mehr, unermüdlich die Schlagworte „Wirtschaft“, „Arbeitsplätze“ und „Mittelstand“ zu wiederholen. Auf keinen Fall hilft es, die Schuld beim Volk zu suchen. Wenn ein Oberbürgermeister ein Fünftel der Wähler verantwortungslos und fahrlässig nennt, weil sie sich für die AfD entscheiden, versteht er das System noch nicht ganz. Wer mehr Stimmen will, sollte mit seinem Programm unzufrieden sein, nicht mit seiner Bevölkerung.