Für den Radverkehr geht es voran. Das Seenland Oder-Spree darf sich als Radreiseregion bezeichnen, und nicht zum ersten Mal. Der polnisch-deutsche oder deutsch-polnische Radweg „Oder-Schlaubetal-Schleife“ könnte ebenfalls kommen. Vor kurzem versuchte ihn der zuständige Amtsausschuss noch zu torpedieren, indem er europäische Fördermittel für eine Fähre zwischen den Dörfern Aurith und Urad ablehnte. Zum Glück machte eine zweite Abstimmung das rückgängig. Möglicherweise können Reisende und Eingeborene dort bald den Grenzfluss ohne Schwimmkenntnisse überqueren. Nur Frankfurt an der Oder verteidigt tapfer seinen Ruf als eine der fahrradfeindlichsten Städte Deutschlands. Das überrascht manche, denn mindestens zwei unserer furchtlosen Anführer im Rathaus besitzen selbst Drahtesel. Diesen Monat verkündeten sie eine „Maßnahme zur Radverkehrsförderung“ in der Magistrale. Die lautet sinngemäß: Fahrt doch auf dem Bürgersteig! Es folgen schulmeisterliche Belehrungen über Rücksicht und rote Ampeln und die Drohung, dass diese Gnade allein vom guten Benehmen der Radler abhängt. Für einen Radweg ist auf der vierspurigen Straße mit breiten Gehwegen und beidseitigen Parktaschen nach wie vor kein Platz. Dabei gäbe es jetzt die beste Gelegenheit dazu. Die Strecke vom Oderturm zur Stadtbrücke verwandelt sich ohnehin für mindestens fünf Monate in einen Buddelkasten. So lange brauchen wir heutzutage und hierzulande, um eine Straßenbahnhaltestelle rollstuhlgerecht zu gestalten. Das zu erwartende Verkehrschaos mit Stau und Schienenersatzverkehr ließe sich etwas leichter ertragen, wenn wenigstens ein Radweg dabei herausspringt.