Für Menschen, die unterwegs die Notdurft verrichten müssen, ist die Not groß. Einen öffentlichen Abort gibt es nur an wenigen Orten. Dieses Problem herrscht im ganzen Land, verschlimmert sich jetzt aber noch in Frankfurt (Oder). Fast alle dieser dringend notwendigen Anlagen wurden geschlossen, weil sie ihre übliche Nutzungsdauer erreicht haben. Sprich: Sie müssten saniert werden. Wer jetzt beim Gang durch die Stadt unter Druck steht, wird gern auf die Einkaufszentren verwiesen. Damit ist das Problem für diejenigen gelöst, deren Stoffwechsel ausschließlich tagsüber aktiv ist. Abends und nachts wird es schwierig. Viele kommerzielle und gastronomische Einrichtungen lassen nur zahlende Gäste oder Kundschaft an die Kachelbar. Es bleiben wenige Alternativen. Wer am Bahnhof ist und fünfzig Cent bereithält, hat Glück. Und wer sich in der Nähe der Stadtbrücke aufhält, kann schnell ins Nachbarland, um die dortigen öffentlichen Häuschen nach Einwurf einer Ein-Zloty-Münze aufzusuchen. Allen anderen bleibt nichts weiter übrig, als eine unserer Grünanlage zu düngen, was aber verboten ist. Bezeichnend finde ich, dass Slubice in der Lage ist, für stille Örtchen zu sorgen, während das Deutschland mit seinen Rekordsteuereinnahmen nicht gelingt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich selbst Länder der sogenannten Dritten Welt, zum Beispiel Indien und Südafrika, öffentliche Toiletten leisten können. Dort ist die Nutzung sogar kostenlos. Gibt es vielleicht eine Möglichkeit, die Regierungen in Delhi oder Pretoria um Entwicklungshilfe zu bitten? Dann wären unsere Einwohnerinnen, Einwohner und Gäste nicht mehr gezwungen, im Park zu urinieren oder zu defäkieren.