Bei allen Wahlen sind sich fast alle Kandidaten in einem Punkt einig: Sie wollen Digitalisierung. Viele Wähler verstehen darunter den Breitbandausbau, und hoffen auf schnellere Filme. Aber das ist nicht die Bedeutung des Wortes. Durch Glasfaserkabel wird das Internet schneller, aber nicht digitaler. Eigentlich heißt Digitalisierung die Umstellung von analogen auf digitale Prozesse. Komplexe Informationen werden auf Einsen und Nullen reduziert. Das birgt neben Vorteilen auch Gefahren. Zum Beispiel übersetzte ich vor Jahren eine Studie unter Feuerwehrleuten. Denen wollte der Auftraggeber digitale Ausrüstung vermarkten. Doch keiner der Befragten hielt elektronische Atemschutzgeräte mit der Möglichkeit, während des Einsatzes Kurznachrichten zu senden, für eine gute Idee. Niemand mochte sein Leben einem System anvertrauen, das ein Hackerangriff oder ein großer Magnet außerstand setzen kann. Ähnliches gilt für das E-Book. Sollten eines Tages alle Bücher auf Rechnern statt Papier gespeichert werden, könnte ein Computervirus so viel Wissen vernichten, dass sich die Menschheit in der Steinzeit wiederfindet. Zum Glück setzen sich E-Books nicht durch. Erfahrungen zeigen, dass Leser das gleiche Buch mehr genießen und in Erinnerung behalten, wenn sie es gedruckt vor sich sehen. Übrigens gab es in den Achtzigern schon eine Digitalisierung. Damals galten kleine Uhren mit LCD-Anzeige und Plastikarmband als die Zukunft. Sie hatten winzige Tasten und waren angeblich wasserdicht bis zu einer Tiefe von 150 Metern. Heutzutage würden Träger dieser Digitaluhren wahrscheinlich ausgelacht. Manchmal ist analog eben besser als eine von Einsen und Nullen beherrschte Welt.