Ursprünglich erschien sie als Sommerlochthema - die Diskussion um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht, angestoßen von Annegret Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Generalsekretärin, bekannt für ihren taktvollen Vergleich von Homosexualität mit Inzucht, will jetzt jedes Jahr hunderttausende junge Leute vom Arbeits- und Ausbildungsmarkt nehmen. Die sollen lieber lernen, im Gleichschritt zu marschieren. Irgendjemand erklärte dann der Dame mit dem Doppelnamen wohl, dass ihre eigene Partei den Armeezwang erst vor kurzem abschaffte. Kurzerhand benannte die christdemokratische Chaostruppe das Ganze um. Jetzt heißt es allgemeine Dienstpflicht, oder im Klartext Zwangsarbeit. Jubel erklang aus der konservativen Ecke. Nur zwei Hindernisse stehen dem Vorhaben im Weg: Grundgesetz und Menschenrechtskonvention. Nun schaltet sich Jens Spahn ein. Der Gesundheitsminister und gelernte Bankkaufmann erwägt, Jugendliche zu zwingen, ein Jahr lang in der Pflege zu arbeiten. Eine ehrenvolle Tätigkeit verwandelt sich dadurch in einen Frondienst. Hoffentlich teilt jemand bald dem Herrn Minister mit, dass die Begleitung alter, kranker oder behinderter Menschen kein Ferienjob ist. Nicht jeder eignet sich dafür. Das muss gelernt sein und erfordert gewisse Fähigkeiten. Ich hätte da einen Gegenvorschlag: Das Steuergeld, das die Umsetzung dieses Plans kosten würde, könnte verwendet werden, um freiwillige Bundeswehrleute besser auszustatten, und vorhandene Pflegekräfte gerechter zu entlohnen. Damit würden beide Berufe attraktiver und hätten größeren Zulauf. Das wäre billiger und vor allen Dingen praktikabler als die Ideen der beiden weltfremden Staatsbeamten.