Einige unserer Nachbarn nennen Deutschland scherzhaft Verbotenland. Dieses Klischee trifft besonders auf den Osten zu. Hier gibt es mehr Verbotsschilder als Bärte in einer Shisha-Bar. Kleine Kinder lernen das Wort „Unbefugte“ schon im Alter von sechs Jahren. Von meinem Balkon aus kann ich zwei Tafeln sehen, die darauf hinweisen, dass Eltern für diese Kinder haften. Für die beiden Seen, in denen ich als kleiner Junge am liebsten herumplantschte, gilt inzwischen ein Badeverbot. Niemand scheint zu wissen warum. Manche Verbote sind verständlich. Natürlich setzt sich ein Stadtoberhaupt, das kein Bierfass anstechen kann, für ein Alkoholverbot ein. Am verbotensten ist aber im Allgemeinen das Betreten. So dürfen die Einwohner und Besucher des Lebuser Ortsteils Wulkow nicht mehr in ihren Park. Als Grund nannte der zuständige Amtsdirektor und nebenberufliche Wisentjäger mangelnde Verkehrssicherheit für Fußgänger seit einem Unwetter im vorigen Jahr. Ein Musikfestival am gründlich eingezäunten Helenesee ist ein willkommener Anlass, mehrere Straßen und einen Radweg zu sperren. Müllroser, die dorthin wollen, müssen über Frankfurt fahren. Und Frankfurter, die schwimmen wollen, müssen nach Müllrose. Da könnten viele Autoliebhaber, befugt oder unbefugt, im Stau stecken. Wahrscheinlich leistet ihnen dabei der Schienenersatzverkehr nach Markendorf Gesellschaft. Dass die Autobahn wegen Baustellen gesperrt wird, versteht sich von selbst. Vielleicht sollten wir in nächster Zeit alle der Eisenbahn eine Chance geben. Die ist zwar längst nicht so pünktlich, zuverlässig oder preiswert, wie ihre Chefs behaupten. Aber alle, die Fahrscheine haben, sind befugt, sie zu benutzen.