Zu Ostern marschierten Menschen für den Frieden. Das hört sich im ersten Moment falsch an. Schließlich verbinden wir einen Marsch mit Militär, Uniform und Gleichschritt. Aber ein Spaziergang war es dieses Jahr bei Kälte und Schneeregen keineswegs. Um so beeindruckender, wie viele Leute aus Stadt und Umland sich in Frankfurt versammelten. Der Passant, der beim Eintreffen der ersten Teilnehmer „Wat denn, mehr seid ihr nicht?“ pöbelte, hätte sich etwas gedulden sollen. Nichtsdestotrotz kenne ich viele, die bei so einem Marsch nicht mitlaufen möchten. Das bedeutet nicht, sie befürworten Krieg und Gemetzel. Was sie abschreckt, sind diejenigen, die Friedensmärsche regelmäßig zweckentfremden. Schon die Fahnen politischer Parteien sind unpassend. Besonders befremdlich erschienen diesmal die Transparente, die in schlechtem Deutsch für Freundschaft mit Russland warben. Sanktionen aufheben zu wollen, die wegen militärischer Aggression und Annexion verhängt wurden, wie Putin-Verehrer bei jeder Gelegenheit fordern, widerspräche dem Friedensgedanken. Und niemand glaubt ernsthaft, Deutschland würde mit Gewehren die nicht treffen und Hubschraubern die nicht fliegen das größte Land der Welt angreifen. Als noch störender empfinde ich das Tragen der Kufiya. Dieses als Arafat-Schal bekannte Symbol von Nationalisten, Islamisten und Antisemiten hat herzlich wenig mit Völkerverständigung zu tun. Deshalb hoffe ich sehr, dass die Transparenzbeschrifter sich nur unglücklich ausdrückten, und den Schalträgern die Signifikanz ihres Accessoires unbekannt ist. Eine wichtige Vorraussetzung für Frieden ist nämlich der Glaube an das Gute im Menschen.