Eine Ära geht zu Ende. Angela Merkel kandidiert nicht mehr als Kanzlerin. Die bekannteste Ostdeutsche und mächtigste Frau der Welt reagiert damit auf die peinlichen Niederlagen ihrer Partei und Koalitionspartner bei den bayrischen und hessischen Landtagswahlen. Dabei trägt sie daran nur begrenzt Schuld. Ihr Fehler bestand darin, sich überhaupt wieder auf dieses Bündnis der beiden bisher größten Parteien einzulassen, von dem die Wähler längst die Nase voll haben. Stillstand als Stabilität zu tarnen funktioniert nicht mehr, und Demokratie benötigt eine starke Opposition. Angela Merkel hätte eine Minderheitsregierung mit den Bündnisgrünen wagen sollten. Mit denen verbindet sie unter anderem, dass beide von den Spießern und Putinisten am Rand der Zivilisation als Feindbilder auserkoren wurden. Nun müssen diese Rattenfänger und Scharfmacher statt „Merkel muss weg“ in Zukunft „wer auch immer die nächste freie Wahl gewinnt muss weg“ grölen, was keinen besonders einprägsamen Sprechchor abgibt. Oder sie konzentrieren ihre Hetze komplett auf die kleinste Bundestagsfraktion. Aber wer jetzt schon behauptet, die Grünen würden den Benzinpreis auf sieben Euro erhöhen, und ihnen jedesmal die Schuld gibt, wenn ein Richter Fahrverbote beschließt, ein Moslem ein Messer zückt oder ein Wolf ein Schaf frisst, kann sich kaum noch steigern. Merkel verdanken wir viele Fortschritte, etwa Atomausstieg, Abschaffung der Wehrpflicht, Mindestlohn und Legalisierung der Homo-Ehe. Mit diesen längst fälligen und von der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder versäumten Schritten beförderte sie ihre Partei in die Mitte der Gesellschaft und unser Land in die Moderne. Dafür verdient die Kanzlerin meinen Respekt.