Von Katja Gehring
Händeschütteln hier, ein Wangenknutscher da und weil es so schön ist noch ein Drückerchen - besonders im Winter steht das menschliche Immunsystem vor großen Herausforderungen. Ganz schlimm wird es, wenn die Protagonisten erst nach diesen Aktionen preisgeben, dass sie ein bisschen verschnupft sind. Und weil es in Zeiten von Neujahrsempfängen, Oberbürgermeisterwahlkampf und Bilanzpressekonferenzen häufig die gleichen Menschen sind, die einem über den Weg laufen, entsteht schnell ein schier unendlicher Kreislauf. Meistens bleibt den Leuten leider gar nichts anderes übrig, als das Spielchen mitzumachen. Denn hierzulande wird die Weigerung, die Hand zu geben, gern als unhöflich angesehen. Das kann ich nicht verstehen. Gerade mit Blick auf die Globalisierung könnten sich die Deutschen doch auch mal die Kultur des Willkommenheißens von den Chinesen, den Indern und vielen anderen asiatischen Völkern abgucken. Sie nicken sich zu oder verbeugen sich und niemand ist deshalb sauer. Wenigstens die Kneipengänger haben den Knackpunkt erkannt. Wer die Lokalität betritt, haut ernergisch mit der Faust auf jeden besetzten Tisch und erhält von den anderen ein ganz lieb gemeintes Klopfkonzert als Begrüßung zurück. Das macht erstens Laune und zweitens auch nicht krank. An Orten, die sich für Hallosagen ohne Körperkontakt nicht eignen, kann auch ein einfaches aber herzliches Lächeln den gewünschten Effekt bringen. Wenn das von Dezember bis anfang März alle Menschen - wenigstens in Ostbrandenburg - mal konsequent durchziehen würden, könnten sie den restlichen Bundesbürgern wegen des niedrigen Krankenstands was husten.