„Freund, versäume nicht zu leben, denn die Jahre fliehn.” Die Bedeutung dieses Zitats von Heinrich von Kleist wurde mir jetzt erst wieder so richtig bewusst. Vor ein paar Wochen ist mein Kollege Udo Sicker verstorben. Ganz plötzlich. Mit ihm ist ein Mensch gegangen, den ich sehr geschätzt habe. Ich bin traurig. Und es ist mir ein Bedürfnis, ein Herzenswunsch, hier an Udo zu erinnern. Wenn ich an ihn denke, kommt mir als erstes sein Lachen in den Sinn. Das war wirklich ansteckend und klingt noch immer in meinen Ohren. Wenn Udo auch noch so frustriert war - lachen ging immer. Darum haben wir ihn im Büro alle beneidet. Es war seine Art, Lebensfreude zu zeigen. Und davon hatte er reichlich. Bis zum Schluss. Ich erinnere mich auch gern an hitzige Diskussionen mit meinem viel zu früh verstorbenen Kollegen. Die konnten sehr kontrovers und laut sein und gingen manchmal auch - mit einem Augenzwinkern - bis ins Mark. Aber am Ende kam meistens was bei raus. Was Gutes, was Kreatives, etwas, das sonst keiner hatte. Eben was ganz Großes. Das Ergebnis war ihm wichtig. Dabei legte er immer Wert auf Fairness. Schön war auch die Art, in der Udo von seiner Familie gesprochen hat. So herzlich, so euphorisch, so voller Liebe. Da wurde dieser raue Kerl plötzlich ganz weich und verträumt. Wenn ich an Udo zurückdenke, dann fällt mir ein weiteres Kleist-Zitat ein: „... nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft”. Ich glaube, dieser Ausspruch könnte Udos Motto gewesen sein. Schade, dass ich nicht mehr die Gelegenheit hatte, ihn danach zu fragen. Udo, du fehlst mir. Nicht nur als Kollege.