Am liebsten würde ich immer die lokale Wirtschaft unterstützen, statt mein Geld irgendeinem großen Internetkonzern in den gierigen Rachen zu werfen. Aber in einer Kleinstadt ist das manchmal gar nicht so einfach. T-Shirts ohne bedeutungslose Beschriftung gibt es hier selten und Hosen in meiner Größe nie zu kaufen. Halb so wild, es bleiben drei Alternativen: Nach Berlin fahren, in eine größere Bundweite hineinwachsen, oder auf das Tragen von Beinkleidern verzichten. Schwieriger wird es bei einem Jackennotfall, wie er mir vor kurzem widerfuhr. Ein Reißverschluss, schon immer eine problembehaftete Erfindung, kämpfte mit meinem Schal und unterlag. Ich brachte die Jacke, die jetzt ungehindert den winterlichen Wind hereinlässt, zu mehreren Schneidern und Sattlern. Einer weigert sich grundsätzlich, Ledersachen zu reparieren. Alle anderen brauchen fünf Tage, um den kaputten Reißverschluss auszuwechseln, und verlangen dafür fast so viel, wie das gesamte Kleidungsstück kostete. Als Grund für die lange Nähzeit geben sie die vielen anderen Aufträge an. Nur seltsam, dass niemand an diesen Aufträgen zu arbeiten schien, als ich im Laden war. Vielleicht wäre es doch besser, eine neue Jacke anzuschaffen. Leider bietet die unser einheimischer Einzelhandel nur in zwei Sorten an: Billige Kunststoffkonstruktionen aus Bang-ladesch, oder Qualitätswaren zum Preis einer Monatsmiete. Beide sind nur mit Reißverschluss erhältlich, was ähnliche Probleme für die Zukunft befürchten lässt. Am Ende bleibt mir wohl nichts weiter übrig, als meine Jacke über die Grenze zu tragen, sie dort reparieren zu lassen, und damit die Wirtschaft des Nachbarlands zu unterstützen.