Tränen schießen mir noch heute in die Augen, wenn ich im Fernsehen die Bilder vom Mauerfall sehe. Da kommt alles wieder hoch. Ich kann mich noch gut an das Auto erinnern, dass jeden Tag vor unserer Tür stand. Zwei Männer harrten darin aus und machten sich Notizen. Sie wollten alles von uns wissen, weil meine Mama nichts mehr von der DDR wissen wollte. Sie hatte einen Ausreiseantrag gestellt, wünschte sich ein schöneres Leben für uns im anderen Teil Deutschlands. Dafür hat sie mich sogar zu diesen Montagsdemos geschleppt. Damals war ich 13 Jahre alt. Für mich war das großartig. Angst hatte ich nicht. Erst nach der Wende wurde mir bewusst, was alles hätte passieren können. 27 Jahre später bin ich gut angekommen im vereinten Deutschland. Und auch wenn die Zeit nicht immer leicht war, es durchaus Tiefen gab, bin ich froh über die Wende. Das können bestimmt nicht alle Deutschen behaupten. Viele hoffen heute noch täglich auf ein Westpaket, das ihnen ein Auskommen garantiert. Und wenn diese Menschen abends Westfernsehen schauen, werden auch sie mit den Tränen zu kämpfen haben. Alles dreht sich nur noch um die Flüchtlingspolitik der Bundesregierenden. Sogar die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit - unserem Tag - nutzen die Politikerinnen und Politiker, um für Integration zu werben. Nur leider meinen sie damit nicht die des eigenen Volkes. Vergessen scheinen die Erlebnisse von Deutschen, die selbst mal flüchten mussten. Auch von ihnen sind manche noch nicht vollständig in unserer Gesellschaft zuhause. Auch ihnen geht es oft nicht gut. Auch sie sind arm. Und auch sie möchten ihren Söhnen und Töchtern ein unbeschwertes und entbehrungsfreies Leben bieten können.