Von Georg Langer
Wir haben gewonnen. Der Kelch der Zwangsfusion, Einkreisung und Zentralisierung geht an uns vorüber. Lange blieben die Landesfürsten unerbittlich in ihrem Vorhaben, Brandenburg zum Potsdamer Hinterland umzustrukturieren. Getreu dem Schlachtruf „Viel Feind, viel Ehr“ probierten sie, die Proteste der Mehrheit ihrer Untertanen zu übertönen. Der schnurrbärtige Innenminister zog mit seiner bewaffneten Leibgarde durch die Städte, um deren Bevölkerung zu beleidigen. Machthaber Woidke drohte der eigenen Partei mit Rücktritt, sollten deren Mitglieder weiterhin aufmucken. Erst als Sozen Schlange standen, um ihrem Chef den Ausgang offenzuhalten, lenkte der Agrarwissenschaftler ein. Das ist besonders bitter für all jene, die sich aus den Protesten, Unterschriftensammlungen und Volksbegehren heraushielten, und sich bei Abstimmungen der Stimme enthielten. Meist lautete das Argument, Widerstand wäre zwecklos und Zeitverschwendung. Die kommunalpolitische Katastrophe sei längst beschlossen und käme sowieso. Obendrein gäbe es an ihr lediglich vereinzelte handwerkliche Fehler zu bemängeln. Es gelte, das Beste aus dem drohenden Unheil herauszuholen, ähnlich wie die britische Regierung aus dem Brexit, meinten die treuen Parteisoldaten. Nun geraten sie in Erklärnot. Bleiben sie dabei, dass die angebliche Reform aus Geldgründen notwendig wäre? Faseln sie weiter von Verweigerungshaltung? Oder behaupten sie, mit der mächtigen Waffe der Stimmenthaltung von vornherein gegen die Regierungspläne gekämpft zu haben? Das birgt allerdings das Risiko, den heute fast vergessenen Begriff „Wendehals“ wiederzubeleben.