Von Katja Gehring
Das Aufstellen von Windrädern auf Wiesen und Feldern hat mich als Privatperson bis vor ein paar Monaten nur wenig interessiert. Bei diesem Thema ging es mir wie mit dem Abriss von Hochhäusern. Wer fast das ganze Leben in einem idyllischen Altbauviertel gewohnt hat, fühlt sich davon kaum bis gar nicht tangiert. Während ich immer noch nicht so recht nachvollziehen kann, warum Menschen der Platte nachtrauern, hat sich meine Meinung zur Windkraft mittlerweile durchaus gewandelt. Über Pfingsten machte ich mich mit meinen Kindern auf den Weg zur Ostsee. Allerdings hatte ich auf gut drei Stunden Autobahn - wenn kein Stau dazwischen kommt - keine Lust. Also fuhren wir über Land. Irgendwann entdeckte ich ein Schild mit der Aufschrift „Märkische Eiszeitstraße”. Überlegungen, was der Ursprung dieser Bezeichnung sein mag, konnte ich nicht zu Ende denken, weil mich die riesigen Windräder auf der anderen Straßenseite davon abhielten. Die Kolosse überragten die Landschaft um ein Vielfaches. Sie waren so nah, dass ihr Ende nicht zu sehen war. Das gab mir zu denken. Diese einst unberührte Natur wirkte nun teilweise wie ein unschönes Industriegebiet. Die Windräder und die Straße, auf der ich mich befand, eint jetzt nur noch die Eiszeit, die mittlerweile zwischen den Anwohnern und den Entscheidungsträgern herrscht. Mich störte nur der Anblick. Den Krach, den die Dinger verursachen, konnte ich im Auto nicht hören. Jetzt verstehe ich die Menschen, die sich gegen Windkraft in der Nähe von Dörfern stark machen, besser. Nicht nachvollziehen kann ich aber die Ignoranz der Entscheidungsträger in Potsdam, Berlin und Brüssel.